Foto: Silvan Widler

Biodiversität

Hier erfahren Sie regelmässig Aktuelles aus der reichhaltigen biologischen Vielfalt des Reusstals wie Naturbeobachtungen, Erlebnisse und Nachrichten aus unserer täglichen Arbeit

Flower Walk Stille Reuss

Der Streifzug führt Sie durch das attraktive Schutzgebiet Reussebene und beleuchtet die wechselvolle Geschichte des Gebiets, das früher von der frei mäandrierenden Reuss immer wieder neu gestaltet wurde. Da heute die Dynamik des Flusses unterbunden ist, müssen mit gezielten Pflegemassnahmen die noch verbliebenen typischen Pflanzen- und Tierarten des Gebiets gefördert werden.

Die Sibirische Schwertlilie ist das Markenzeichen der Pfeifengraswiesen des Reusstals. Wer die prächtigen Pflanzen in voller Blüte bewundern möchte, besucht das Gebiet am besten in der zweiten Maihälfte, wenn sie die Wiesen in ein blaues Blütenmeer verwandelt. Auch lohnt sich die Zusatzschlaufe rund um die Stille Reuss mit einem Abstecher zum Zieglerhaus, der Geschäftsstelle der Stiftung Reusstal.

Die App Flower Walks ermöglicht Ihnen, auf mehr als 40 Streifzügen in der Schweiz über 800 wildwachsende Pflanzenarten und 60 Lebensräume kennen zu lernen. Zusätzlich erhalten Sie Informationen zu Rastmöglichkeiten oder weiteren interessanten Gegebenheiten entlang der Routen. Alle Streifzüge sind mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar und die Ankunfts- und Abfahrtsorte sind direkt mit dem SBB-Fahrplan verlinkt.

Die Zielgruppe dieser App sind naturinteressierte Personen vom Jugend- bis ins Seniorenalter.

http://www.flowerwalks.ch/

07.06.2017

Die Frühblüher.

Wenn sich die ersten Blüten der Frühblüher öffnen, wissen wir, dass es endlich nach langer kalter Zeit wieder Frühling wird. Die Frühblüher bezaubern uns.

Die Schneeglöcken (Galanthus) sind die ersten und wachsen oft schon, wenn noch Schnee liegt.

Dann folgen zahlreiche Arten wie die Schlüsselblume (Primula elatior). Sie wächst an feuchten bis frischen Standorten oft entlang von Waldwegen, gehäuft in Auenwäldern, in Bergwiesen oder in Flachmooren wie hier im Reusstal. Ihre Blüten sind Hellgelb gefärbt und sie sind einfach zu erkennen.

Nicht zu übersehen sind die Buschwindröschen (Anemone nemorosa). Sie wachsen oft wie ein weisser Teppich und bedecken so den Waldboden. Das Buschwindröschen besitzt ein Rhizom (griechisch „Eingewurzeltes“; ein meist unterirdisch wachsendes Sprossachsensystem, auch Erdspross genannt), so überwintert sie unterhalb der Erdoberfläche. Der Austrieb erfolgt dann im Frühjahr sehr schnell und kann sich schon entwickeln, obwohl die Bedingungen für die meisten Pflanzen noch ungünstig sind. Die Nektar produzierenden Blüten werden gerne von Hummeln und Schmetterlingen besucht und sind im Frühjahr wichtige Nahrungsquellen für Insekten. Die Blüte des Buschwindröschens ist nachts sowie bei kühlen Wetterbedingungen geschlossen und nach unten gerichtet.

Ein anderer diskreter Frühblüher ist der echte Seidelbast (Daphne mezereum). Er ist die einzige cauliflore (stammblütige) Art in Mitteleuropa – diese Blühart ist sonst eher typisch für tropische Pflanzen. Die rosa Blüten entwickeln sich vor den Blättern und sind stark duftend. Früher wurde sie als Heilpflanze genutzt, während sie heute als sehr giftige Art gilt. Sie enthält mehrere Wirkstoffe: Mezerein in den Früchten, Daphnetoxin in der Rinde sowie Umbelliferon und das Halluzinogen Daphnin. Im Kontakt mit der Haut entstehen starke Reizungen und führen zu Blasenbildungen und Entzündungen. Bei längeren Einwirkungen kann sogar ein geschwüriger Zerfall der Haut entstehen. Bei oraler Aufnahme können sich Magen-, Darm- und Nierenbeschwerden entwickeln. Zehn bis zwölf Beeren wären sogar für einen erwachsenen Menschen tödlich. Früher wurde sie als Mittel gegen Kopf- und Zahnschmerzen eingesetzt und gemischt mit Essig hatte man sie als Zugsalbe benutzt. Heute ist sie als Zierpflanze sehr beliebt.

Alle diese Frühblüher sind im Reusstal zu beobachten. Sie sind entlang der Wanderwege oder an den  Dammböschungen zu finden. Jedoch: Naturschutzflächen zu betreten, ist im Reusstal ebenso verboten, wie Blumen oder Pflanzen zu pflücken. Aber Sie können trotzdem ein paar schöne Erinnerungen mit nach Hause nehmen und zwar in Form von Fotos. Die Frühblüher bieten sehr schöne Fotomotive.

Text und Fotos: Ambroise Marchand

04.04.2017

Seit Ende März ist der Schwarzmilan wieder zurück im Reusstal.

Sein lateinischer Name ist: „Milvus migrans“. „Milvus“ steht für grössere Raubvögel und „migrans“ bedeutet „wandern“ oder „auswandern“.

Denn im Gegenteil zum Rotmilan ist der Schwarzmilan ein Zugvogel. Schon im August beginnen sie nach Süden zu fliegen. Sie sind Langstreckenzieher und überwintern südlich der Sahara oder sogar in Südafrika. Rotmilane dagegen sind sogenannte Standvögel. Aber auch sie ziehen teilweise nach Süden. Dies aber nur über kürzere Distanzen, oft nur bis ins Mittelmeergebiet.

Der Schwarzmilan ist in der Schweiz nicht gefährdet und man zählt mehr als 1’200 Brutpaare bei uns. Er ist viel weiter verbreitet als der Rotmilan und brütet fast in ganz Europa, in weiten Teilen Afrikas, Asiens sowie auch in Australien. Er ist der charakteristischste Raubvogel der Reussebene und erreicht stellenweise hohe Dichten. Dies durch das vielfältige Mosaik von Gewässern, offenen Flächen und Feldgehölzen.

Er ist auch bekannt als guter Fischer. Er kann mit seinem schnellen und eleganten Sturzflug einen Fisch im Wasser fangen und schwingt sich danach gleich wieder in die Höhe. Fast wie ein Fischadler. Er fängt ebenfalls viele andere Kleintiere, frisst aber auch Aas und kann sich sogar von Abfällen ernähren. Er ist deswegen ein sogenannter Nahrungsopportunist.

Um den Schwarzmilan sicher erkennen zu können, hilft seine Stimme. Er hat wiehernde und trillernde Rufreihen. Er unterscheidet sich aber auch visuell vom Rotmilan. Er ist etwas kleiner und generell dunkler als der Rotmilan. Momentan sind beide Arten mit dem Mäusebussard im Reusstal zu beobachten. Damit Sie einen Milan von einem Bussard unterscheiden können, sollten sie den Schwanz genau beobachten. Der Mäusebussard hat einen runden Schwanz, beide Milane dagegen einen gegabelten Schwanz, ähnlich dem einer Rauchschwalbe.

Text und Fotos: Ambroise Marchand

30.03.2017

Die Europäischen Sumpfschildkröten sind aus dem Winterschlaf erwacht

Und auch die letztes Jahr in der Freilandanlage des Zieglerhauses geschlüpften Jungtiere scheinen den Winter gut überstanden zu haben.

Foto: Josef Fischer

29.03.2017

Dokumentation zu den jährlichen Moorraupe-Arbeiten in der Naturschutzzone Stille Reuss, Rottenschwil

Demnächst werden im Zentrumsbereich der Naturschutzzone „Stille Reuss“ im Auftrag der kantonalen Unterhaltsequipe wieder Baggerarbeiten mit einer bodenschonenden Moorraupe ausgeführt.

Diese Massnahme dient der Förderung von seltenen und bedrohten Tier- und Pflanzen-Arten der «Pionier-Biotope» in der Aue.

Für viele Besucher/innen wirkt der Trax im Naturschutzgebiet irritierend, weil der Hintergrund der Massnahme meist nicht bekannt ist und weil Naturschutzgebiete noch immer mit «nicht eingreifen, Abschirmung von menschlichen Tätigkeiten» gleichgesetzt werden. Ohne regelmässigen Unterhalt, der früher gratis durch die noch frei fliessende Reuss gemacht wurde, würden die Naturschutzgebiete schnell ihren grossen Wert für seltene Tier- und Pflanzenarten verlieren.

Noch mehr dazu hier.

02.03.2017

Der Weissstorch

Der Weissstorch, einer der grössten Vögel in Mitteleuropa mit einer Spannweite von bis zu zwei Metern, ist sicher jedem zumindest vom Aussehen her bekannt. Und auch heute noch „weiss“ wohl jedes Kind, dass Meister Adebar (germanisch „auda“: Glück, Heil und „bera“: tragen, gebären) die Kinder bringen soll.

Doch woher kommt dieser Aberglaube?

Ursprünglich stand hier wohl die alte Vorstellung, dass die Seelen der Ungeborenen in einem Teich, Sumpf oder Brunnen schwimmen, bevor sie von den Göttern in den Leib der Mutter gesetzt werden. Störche halten sich häufig an solchen Orten für die Nahrungssuche auf und so ist dieses Märchen wahrscheinlich im 18. Jahrhundert entstanden. Danach soll der Storch als Götterbote die Neugeborenen aus dem Wasser, der Quelle des Lebens holen und anschließend die Mutter ins Bein beißen, damit sie sich ins Bett legen muss.

„Wo kriegten wir die Kinder her, wenn Meister Klapperstorch nicht wär?“

Wilhelm Busch: Die Fromme Helene (1872)

In Mitteleuropa gilt der Storch als ein Symbol der Fruchtbarkeit, des Glücks und des Wohlstands. In einigen Regionen herrschte ursprünglich die Vorstellung, dass der Storch an Ostern die Eier bringt und den Frühling ankündigt, nicht wie in vielen anderen Gebieten der Hase. Ein Storch auf dem Dach verspreche Glück und Wohlstand für die Menschen, die unter diesem Dach leben und ein Storchennest auf dem Dach soll vor Blitzeinschlag schützen. Sieht ein junges Mädchen einen Storch fliegen, wird sie bald heiraten. Sieht sie einen auf der Erde laufen, wird sie bloß zu einer Hochzeit geladen werden. Sieht sie nur einen Storch, muss sie noch ein wenig auf die Hochzeit warten. Sieht sie hingegen ein Storchenpaar, kommt die Hochzeit schneller als sie denkt.

Der Name Klapperstorch kommt daher, dass der Storch weder singen noch rufen kann. Er hat nämlich keinen Stimmkopf, auch Syrinx genannt. Das ist das Organ, mit dem die anderen Vögel ihre Laute produzieren können. Deshalb hat er seine eigene „Sprache“ entwickelt, das Klappern mit dem Schnabel. Damit begrüssen sich die Partner und vertreiben Konkurrenten, die ihrem Horst zu nahe kommen.

 

Heutzutage ist der Storch ein Symboltier des Naturschutzes.

Gab es um 1900 in der Schweiz noch rund 140 Brutpaare dieses bis zu 40 Jahre alt werdenden Vogels, war es 1949 nur noch gerade ein brütendes Paar! Die fortschreitende Intensivierung der Landwirtschaft und der Anbau von Monokulturen, die massive Trockenlegung von Feuchtgebieten, die Begradigung bzw. Eindolung der meisten Fluss- und Bachläufe und der steigende Einsatz von chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln liessen diese Art schliesslich 1950 als einheimischen Brutvogel aussterben.

Der Initiative von engagierten Naturschützern ist es zu verdanken, dass man diesem Stelzvogel heute wieder häufiger begegnen kann. 1948 gründete Max Bloesch die Storchensiedlung Altreu für die Wiederansiedlung des Storches. Hier wurden Störche aus dem Elsass und Algerien aufgezogen und ausgewildert. Er ist heute noch immer ein seltener, jedoch wieder ein regelmässiger Brutvogel und das ursprüngliche Brutgebiet im Mittelland ist wieder weitgehend, wenn auch noch lückenhaft von über 450 Brutpaaren besiedelt (Stand 2016).

Die Rückkehr des Weissstorchs steht beispielhaft für eine erfolgreiche Wiederansiedlung. Auf weitere Auswilderungen ist diese Art seit den 90er Jahren zum Glück nicht mehr angewiesen, dennoch sind die heutigen Bestände noch nicht gesichert.

Zwar nehmen die Bestände pro Jahr um ca. 3% zu, aber nur jeder fünfte Weissstorch erreicht das Alter der Geschlechtsreife (2–6 Jahre) und der Bruterfolg von 1,65 flüggen Jungen pro Paar ist im internationalen Vergleich tief. Nicht einmal 10% der Störche werden genügend alt, damit sie dafür sorgen können, dass der Bestand weiter ansteigen kann.

Neben Zusammenstössen mit Auto und Bahn sind Kollisionen und Stromschläge an Freileitungen heute die häufigste unnatürliche Todesursache von ausgewachsenen Störchen in der Schweiz. An Freileitungen kommen innerhalb eines Jahres einer von vier Jungvögeln und einer von siebzehn Altvögeln um. Insgesamt wurden 425 der von 1947–1997 in der Schweiz beringten Störche als Freileitungsopfer gemeldet (59% der Funde mit bekannter Todesursache).

Deshalb wurde 2010 der nationale Aktionsplan für den Weissstorch ins Leben gerufen. Dieser hat folgendes Ziel: „Der Weissstorch weist in der Schweiz eine sich selbst erhaltende, langfristig stabile oder zunehmende, von weiteren Förderungsmassnahmen unabhängige Population von sich natürlich verhaltenden Individuen auf.“

Dazu fehlt es in der Schweiz aber vor allem an nahrungsreichen, extensiv genutzten Weiden und Wiesen, Feuchtgebieten und Weihern sowie ungestörten und stabilen Nistplätzen.

Bei längeren Kälte- und Nässeeinbrüchen im Frühling kann es natürlicherweise vorkommen, dass sehr viele Jungstörche an Unterkühlung sterben. Die häufigste Todesursache bei Nestlingen (41%) ist jedoch das Verhungern aufgrund fehlender bzw. zu wenig ergiebiger Nahrungsgebiete im Umkreis des Nestes.

Somit müssen zur Erhaltung dieser Art genügend offene und naturnahe Lebensräume erhalten bzw. aufgewertet sowie neue geschaffen und diese vernetzt werden.

Im Reusstal findet der Weissstorch noch relativ viele Feuchtwiesen mit zahlreichen Tümpeln und Weihern, wo ein gutes Angebot einer seiner Hauptspeisen, Amphibien, zu finden ist. Auch von ökologischen Ausgleichsflächen im Landwirtschaftsgebiet profitiert der Weissstorch, wie generell von vielfältigen landwirtschaftlichen Kulturen.  Das zeigt sich nach Grasschnitt oder bei Ackerumbruch, wenn ganze Storchentrupps den Traktoren folgen und Regenwürmern oder Insektenlarven nachstellen.  Auf der Freileitung neben der Stillen Reuss hat es mittlerweile vier regelmässig besetzte Nester aus denen 2016 sieben Jungstörche ausgeflogen sind.

Diesen Winter konnten schon mehrmals über 80 Störche gleichzeitig beobachtet werden, die zusammen im Flachwasserbereich des Flachsees übernachteten.

Der Flachsee als Winterschlafplatz für solch grosse Trupps von Weissstörchen ist ein neueres Phänomen. Der Auszug aus der Datenbank der ornithologischen Arbeitsgruppe Reusstal zeigt auch, dass bis 2008 im Winter kaum mehr als 20 Störche gezählt wurden, die Bestände danach aber zugenommen haben:

Ein solches Schwarmverhalten ist von vielen verschiedenen Tierarten bekannt. Es kann bei der Nahrungssuche von Nutzen sein, in diesem Fall dient es aber der Feindvermeidung. Denn viele Augen und Ohren bemerken mögliche Raubtiere früher.

Anfangs standen die Störche meist trockenen Fusses auf den Schlickbänken. Neuerdings stehen sie jedoch meist fast bis zum Bauch im Wasser. Eine mögliche Erklärung dafür könnte sein, dass das Wasser momentan einiges wärmer ist als die Luft. Wasser leitet Wärme jedoch etwa 20 Mal besser als Luft. Man kann ja seine Hand ein paar Sekunden lang in den 200 Grad heissen Backofen halten, ohne dass man sich verbrennt. Dies in nur halb so heissem, kochendem Wasser zu tun ist jedoch besser nicht zu empfehlen. Die Beine der Störche kühlen im Wasser also deutlich schneller aus als an der Luft und somit muss dies andere Vorteile haben.

Wahrscheinlicher ist, dass sich die Vögel im Wasser sicherer fühlen. Denn vermehrt wurden wieder Füchse bei der Jagd auf den Schlickbänken beobachtet. Die Fuchsbestände scheinen sich von der Fuchsstaupe erholt zu haben. Diese Viruskrankheit brach 2009 stark aus und dezimierte 2010 bis zu 80% der Fuchsbestände.

Es scheint, als versammeln sich alle Störche aus dem Bünz- und Reusstal gemeinsam am Flachsee. Manchmal mischen sich auch noch einige Silberreiher darunter.

(Text: Niklaus Peyer;  Quellen: www.storch-schweiz.ch, Aktionsplan Weissstorch Schweiz des BAFU)

01.02.2017

Am Flachsee ist seit einigen Wochen eine Blässgans zu beobachten.

Gänse sind gesellige Tieren und streifen immer in kleinen bis sehr grossen Gruppen umher. Wenn sie in einem Feld am fressen sind, gibt es immer Individuen, die Wache halten. Bei Gefahr alarmieren sie die ganze Gruppe und alle Vögel fliegen mit grossem Lärm weg. Oft mischen sich anderen Gänsearten in so eine Gruppe.

Versuchen Sie, auf den Fotos die Blässgans unter den Graugänsen zu finden… Geschafft? Dann sind Sie bereit am Flachsee die echten Tiere zu beobachten. Mit ein wenig Übung und Geduld und der Hilfe eines Feldstechers ist es nicht so schwierig, die Blässgans unter den Graugänsen zu finden.

Gehen Sie aber nicht zu nahe. Sonst werden die Vögel schnell flüchten. Solche Störungen sind für die Vögel im Winter schädlich, da sie sehr viel Energie zum Fliegen brauchen. Es ist auch unnötig, da sie sich auch aus einiger Entfernung sehr gut beobachten lassen!

Blässgänse brüten in der Tundra weit oberhalb des Polarkreises und überwintern an der Nord- und Ostsee, ziehen aber auch bis nach Südeuropa. Die Blässgans ist deutlich kleiner als die Graugans. Sie wiegt nur 1,6 bis 2,4 kg (Graugans 2 bis 4 kg) und ist etwa 65 bis 75 cm (Graugans 75 bis 90 cm) gross. Sie ist wie die Graugans dunkel graubraun gefärbt, aber sie ist auf dem Rücken und auf den Flügeln dunkler. Sie trägt auch unregelmässige schwarze Querflecken am Bauch. Ausgewachsene Vögel tragen eine weisse Blesse (Als Blesse wird eine weiße oder hellere Zeichnung, normalerweise in Form eines Streifens von der Stirn bis zur Schnauze, bezeichnet. Zum Beispiel trägt die Blässhuhn auch eine Blesse), die von der Schnabelwurzel bis zur Stirn reicht.

(Text und Fotos: Ambroise Marchand, ambroisemarchand.ch).

10.01.2017

Hungriger und akrobatischer Biber im Reusstal.

Der Biber ist in der Reussbene momentan sehr aktiv und man findet viele frische Nagespuren.

In einem Naturschutzgebiet der Reussebene hat er eine Silberweide mit ca. 80cm Durchmesser (Taschenmesser als Grössenvergleich) fast vollständig durchgenagt.

An anderer Stelle hat er ungeahnte Kletterkünste unter Beweis gestellt: Nagespuren auf über 1.5 Meter über Boden.

(Fotos: Josef Fischer)

22.12.2016

Herbst im Reusstal.

Der Herbst ist eine sehr schöne Jahreszeit. Nebel und bunte Farben sorgen für wunderbare Stimmungen und Landschaften. Aber woher kommen die typischen Blattfärbungen des „Indian Summer“?

Die Bäume legen über den Winter eine Pause ein, ähnlich eines Winterschlafs. Als Signal wirken die Temperatur und die Sonneneinstrahlung. Wenn die Temperaturen 5 Tage lang unter 5°C, 2 Tage lang unter 0°C oder auch nur einen Tag lang unter -2°C liegen, ist das ein Signal für den Baum, die Produktionszeit in den Blättern zu beenden. Somit wird der Baum kein Chlorophyll mehr produzieren und es in den Wurzeln speichern. Chlorophyll ist eigentlich ein wichtiger Farbstoff für die Zuckerherstellung im Blatt während des Sommers und es färbt die Blätter grün. So sind die Blätter im Frühling und im Sommer grün gefärbt, während sie im Herbst die grüne Farbe verlieren und die anderen Farbstoffe nicht mehr vom Chlorophyll verdeckt werden.  Die verbleibenden Farbstoffe der Blätter, wie die Karotine (gelb bis rot) oder die Anthocyane (sehr intensiv, oft blau, violett oder rot) sind nun sichtbar. So entstehen die typischen Herbstfarben!

Der Herbst ist auch eine Jahreszeit mit grosser Fülle an Nahrung. Ein Besuch der Märkte zeigt das. Überall findet man dutzende verschiedene Apfelsorten, Kürbisse in allen Grössen und Formen sowie alte Gemüsesorten wie Topinambur oder Schwarzwurzel. Als Menschen bereiten wir uns für die harten Winterzeiten vor und wir machen Vorräte. Bei den Tieren gibt es verschiedene Strategien für den Winter: Zugvögel wie die Weissstörche ziehen in den wärmeren Süden, wo sie noch genug Nahrung finden. Säugetiere wie der Igel gehen langsam in die Winterruhe. Andere wie Eichhörnchen legen ebenfalls Vorräte an. In der Natur findet man nun nicht mehr viel Nahrung, aber wer weiss wo suchen findet etwas Essbares! Hecken sind sehr gute Lebensräume für diese harte Jahreszeit. Dort wachsen unter anderen Weissdorn, Pfaffenhüttchen, Schlehdorn oder Schwarzdorn, Wolliger Schneeball, Gemeiner Schneeball usw.

Der Weissdorn (Crataegus sp.) trägt kleine einzelne, rote Beeren und unterscheidet sich so vom der Schlehdorn (Prunus spinosa) mit seinen schwarzen Früchten. Wolliger Schneeball (Viburnus lantana) und Gemeiner Schneeball (Viburnum opulus) tragen auch beide rote Beeren, aber diese hängen in kleinen Gruppen, weil sich die Blüten im Frühling wie ein Schirm entfalten und unterscheiden sich so vom Weissdorn. Das Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), auch Gewöhnlicher Spindelstrauch genannt, trägt unverwechselbare Früchte. Sie sind eher purpurrosa bis karminrot gefärbt und sehen aus wie ein Birett, die Kopfbedeckung von katholischen Bischöfen und Kardinälen.

Im Winter ziehen viele Vögel nach Süden, während anpassungsfähige Arten bei uns bleiben. Oft sind diese im Sommer Insektenfresser und werden ab Herbst vor allem Früchte und Samen fressen. Versuchen Sie einmal, diese Vogelarten entlang der Wanderwege zwischen Ottenbach, Rickenbach und Birri zu beobachten. Vor allem an Hecken und Waldrändern werden Sie zum Beispiel die Blaumeise, die Kohlmeise, die Schwanzmeise, den Buchfink oder die Amsel auf der Nahrungssuche antreffen.

(Text und Fotos: Ambroise Marchand, ambroisemarchand.ch).

04.11.2016

Löffler am Flachsee.

Seit einigen Tagen können Sie am Flachsee mit etwas Glück einen grossen Vogel mit schneeweissem Gefieder beobachten. Aus der Entfernung sieht er aus wie ein Reiher. Vielleicht ist es ein Silberreiher oder mit etwas Glück ein Seidenreiher? Mit einem Feldstecher werden Sie schnell den merkwürdigen Schnabel bemerken. Er ist schwarz mit einer gelblichen Spitze. Markant ist seine Form: wie ein Löffel! Somit handelt es sich um einen Löffler (Platalea leucorodia).

Der Löffler ist in der Schweiz ein seltener Gast, der während dem Zug zu beobachten ist. Sie sind obligate Zugvögel, deren Winterquartiere vom Mittelmeerraum bis zur Sahelzone sowie Sudan und Äthiopien reicht.
Das Verbreitungsgebiet des Löfflers reicht von Süd-, West- und Mitteleuropa bis Vorderasien und vom Nordosten Afrikas bis nach Ostasien. In Mitteleuropa begrenzt sich das Verbreitungsgebiet auf einige Kolonien in den Niederlanden, Ungarn, Slowakei, dem Osten Österreichs, Tschechien und Deutschland. Löffler brüten meist in Kolonien, oft zusammen mit Reihern. Er zählt zu den nicht gefährdeten Arten.

Der Lebensraum des Löfflers sind Sümpfe, Auenwälder und Verlandungszonen mit Schilfbestand. Mit dem breiten Löffelschnabel wird das Wasser und der lockere Schlamm durchschnattert. Seine Nahrung sind Fische, Frösche, Insekten, verschiedene Larven, Würmer, Schnecken und Krebstiere.

Der Löffler kann mit dem Silberreiher (Egretta alba) verwechselt werden. Wie der Löffler hat er dunkle Beine und dunkle Füsse, der Silberreiher ist jedoch grösser und besitzt einen gelben spitzigen Schnabel. Er ist ein seltener Brutvogel in der Schweiz, aber ein regelmässiger Durchzügler, Sommer- und Wintergast. Der Silberreiher brütet wahrscheinlich seit einigen Jahren in der Schweiz und auch am Flachsee. Er ist sonst in Ost- und Südeuropa, im Nord-, Mittel- und Südamerika und in Afrika verbreitet.

Der Seidenreiher (Egretta garzetta) sieht auf den ersten Blick ebenfalls sehr ähnlich aus. Der Seidenreiher ist jedoch kleiner als der Löffler und hat einen spitzigen gelb-schwarzen Schnabel. Er hat dunkle Beine und gelbe Füsse. Er kommt in Südeuropa, Nord-, West- und Ostafrika sowie in Madagaskar vor. In der Schweiz ist er ein Durchzügler und ein sehr seltener Winter- oder Sommergast. Er ist manchmal auch am Flachsee zu beobachten.

Die Vögel am Flachsee kann man optimal von unserem Hide aus entdecken!

(Text und Fotos: Ambroise Marchand, ambroisemarchand.ch).

08.09.2016

Nachwuchs bei unseren Laubfröschen.

Auch bei den Laubfröschen sind mittlerweile Jungtiere aus dem Wasser gestiegen. Um diese Winzlinge zu entdecken, braucht es aber gute Augen.

02.09.2016

Nachwuchs bei unseren Zauneidechsen.

Nun sind in unserer Freianlage beim Zieglerhaus auch bei den Zauneidechsen 3 Jungtiere geschlüpft.

19.08.2016

Nachwuchs bei unseren europäischen Sumpfschildkröten.

Mittlerweile tummeln sich in unserer Freianlage beim Zieglerhaus neben den drei ausgewachsenen Schildkröten auch drei Jungtiere, die dieses Jahr selbstständig in der Anlage geschlüpft sind.

Mit etwas Glück kann man sie hier beobachten, auch wenn sie noch ziemlich scheu sind. Mehr Glück braucht es, um diese sehr heimliche Art an der Stillen Reuss zu beobachten.

11.08.2016

Wasserbüffel statt Traktor und Raupenhäcksler – Mozzarella aus dem Naturschutzgebiet

Die meisten Riedwiesen in den Naturschutzzonen der Reussebene können zur Gewinnung von Stalleinstreu von Landwirten gemäht werden. Nur für die sehr nassen Flächen braucht es ein Spezialfahrzeug der kantonalen Unterhaltsequipe, den Raupenhäcksler. Mit ihm müssen die Flächen nur einmal befahren werden, da das Schnittgut in einem Arbeitsgang gemäht und aufgeladen und dabei gerade zerkleinert wird. Doch das alljährliche vollständige Mähen ist für einige Kleintiere nicht ideal, weshalb ergänzende Bewirtschaftungsformen geprüft werden.

Mit der Beweidung soll deren Wert infolge der Zunahme der Strukturvielfalt gesteigert werden: Denn die Büffel schaffen ein Mosaik von wenig bis stark abgefressenen Bereichen, halten Kleingewässer offen und schaffen durch Tritt und Suhlstellen neue Tümpel als Lebensraum für Wasserinsekten, Amphibien und Vögel.

Die heute bei uns vorkommenden Rinderrassen sind für eine Beweidung von Feuchtgebieten nicht geeignet; zu schlecht wäre das Futter für sie. Wasserbüffel hingegen fressen fast alles, auch den harten Schilf und die zähen Sauergräser, nur Gehölze nicht.

Die rechtliche Grundlage für das Beweiden wurde im März 2003 geschaffen, mit der Anpassung der Reusstalverordnung durch den Regierungsrat. Als die Reusstalverordnung 20 Jahre vorher, im Mai 1983, erstmals beschlossen worden war, wurde das Beweiden pauschal untersagt. Damals hatte das Beweiden in der Naturschutzdiskussion noch einen schlechten Ruf und es fehlten bei uns die geeigneten, genügsamen Rinderrassen.

Pauschal alle Feuchtgebiete zu beweiden wäre aber wohl auch nicht die Lösung. Erste Untersuchungen hatten nämlich gezeigt, dass sich die Libellenfauna auf beweideten Flächen verändert. Diese Auswirkungen bedürfen weiterer Untersuchungen, damit ein möglichst umweltschonendes Beweidungskonzept ausgearbeitet werden kann.

Die Wasserbüffelherde wird von einem Landwirt betreut, der mit dem Kanton einen Bewirtschaftungsvertrag abgeschlossen hat. Eines der Endprodukte der Beweidung ist Büffel-Mozzarella, den ein Käser in Muri herstellt.